Kulturerbe


 
Willkommen in Matulji, dem grün-blauen Hinterland der Opatija-Riviera, einem historichen Knotenpunkt alter Wege und einem Ort der Erholung im modernen Tourismus. Einst zogen hier die Milchmädchen („mlekarice") auf jahrhundertealten Pfaden, die Glockenträger („zvončari") vertrieben den Winter und kündigten den Frühling an, und angesehene Reisende gelangten mit der Bahn an die Opatija-Riviera. 
 
Auch heute setzen die Zvončari ihren traditionellen Umzug fort, während sich die Vergangenheit mit der Gegenwart verbindet. Matulji entwickelt sich zunehmend zu einem gefragten Reiseziel für alle, die dem Alltag entfliehen und Abstand vom hektischen Lebensstil finden möchten– in hervorragend ausgestatteten Unterkünften für einen erholsamen Aufenthalt. Am Bahnhof Matulji – einem der malerischsten Gebäude dieser Art in der Region – können Sie nachempfinden, wie das Reisen an die Opatija-Riviera in den Anfängen des Tourismus war. Anschließend genießen Sie eine ausgezeichnete Marende in einem der lokalen Gastronomiebetriebe. Entdecken Sie die Gemeinde Matulji: Genießen Sie weite Ausblicke, regionale Küche und das Erbe der mlekarice. Erleben Sie die Pfade der zvončari und verpassen Sie im Karneval auf keinen Fall das große Glockenträger-Treffen im Zentrum! Schließen Sie sich unseren thematischen Wander- und Radtouren an, die Ihnen die Geschichte dieser Region näherbringen. Erleben Sie Konzerte und Theaterbende im Amphitheater von Matulji und lassen Sie sich im Winter von der festlichen Atmosphäre des Advents und der Weihnachtszeit mit ihrem vielfältigen Programm verzaubern.
 

Historisches und kulturelles Erbe
 
Die Gemeinde Matulji blickt auf eine bewegte Geschichte zurück, in der sie innerhalb kurzer Zeit verschiedenen Staaten angehörte. Aufgrund dieser wechselhaften Vergangenheit sind historische Dokumente der Region heute in den Archiven Österreichs, Sloweniens, Italiens und Kroatiens zu finden.
Ein Wendepunkt war der Vertrag von Rapallo (1920), durch den das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kastav zwischen dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, dem Freistaat Fiume und dem Königreich Italien aufgeteilt wurde. Die Gemeinde Matulji wurde schließlich 1921 unter italienischer Verwaltung gegründet.
Die Entwicklung des Ortes ist eng mit der Eisenbahn verknüpft. Nachdem die Österreichische Südbahn-Gesellschaft 1873 die Strecke Pivka–Rijeka eröffnete, wurde Matulji zum zentralen Bahnhof für das mondäne Opatija. Mit dem Aufstieg Opatijas zum Luftkurort wurde Matulji 1908 zudem zum Ausgangspunkt der elektrischen Straßenbahnlinie nach Lovran. Trotz vorübergehender Stagnation durch die Weltkriege und Grenzverschiebungen legte die Bahnanbindung den Grundstein für das stetige Bevölkerungswachstum bis zum heutigen Tag.
 
 
Der lokale Dialekt
 
In der Gemeinde Matulji spricht man den tschakawischen Dialekt. Die Satzlehre (Syntax) unterscheidet sich deutlich vom kroatischen Standard. Besonders auffällig ist die Wortstellung, die den Dialekt einzigartig macht.Das Herzstück des Satzes ist das Prädikat, meist ein Verb: z. B. „Čuvajte se mladega vina!". Neben Verben nutzt der Matulji-Dialekt auch Nominalprädikate mit dem Verb „sein". 

– travinjat – plötzlich erkranken
– škanj – eine Holzbank
– zmantrat se – müde werden
– žulit – den Boden schrubben
– snažit – aufräumen
– savrat – kopflos handeln
– tapast – tollpatschig
 

Bauliches Erbe
 
Das ethnografische Bauerbe der Region ist äußerst reichhaltig. Neben Einzelgebäuden haben ganze Dörfer wie Kućeli, Zaluki und Vele Mune ihre traditionelle Struktur bewahrt. Weiler und Dörfer, die als ländliche Einheiten in das Denkmalregister aufgenommen wurden:
 
„Andrejići", Weiler von Rukavac – wurde als ländliche Einheit in das Denkmalregister aufgenommen. Der Weiler enthält Häuser mit verschiedenen Stilmerkmalen bis hin zu einfacheren rustikalen Bauten. Die Steingebäude zeigen deutlich Spuren der Steinmetzkunst. Im Weiler befindet sich außerdem ein „Tornica".
 
Veli Brgud steht als gesamtes Dorf unter Denkmalschutz. Die Lage und der Name des Ortes zeigen noch heute seine Ursprünge als mittelalterliche Hirten-Siedlung, die eng mit Wald und Weiden verbunden war. Erst später kamen Acker- und Weinbau hinzu. Viele der alten Wirtschaftsgebäude haben ihr ursprüngliches Aussehen bewahrt: Sie bestehen aus Stein, haben traditionelle Strohdächer und die typischen hohen Giebel.

Dorf Lipa, registriert als Einheit, jedoch nicht aufgrund ethnologischer Bewertung, sondern als Raum, der durch eine faschistisch-terroristische Tat geprägt wurde.
 
 
Die Munski-Dialekte
 
Die Munski-Dialekte bezeichnen die westlichste Gruppe der ikavisch-ekavischen Dialekte des čakavischen Idioms. Im Gebiet der Gemeinde Matulji gehören neben den Dialekten von Veli und Mali Mune auch die Dialekte von Veli und Mali Brgud, Pasjaci und Šapjane zu dieser Gruppe.
Einige gemeinsame Merkmale der Munski-Dialekte sind die ikavisch-ekavische Reflexion des Jata (z. B. misit testo und belo mliko) sowie das Auftreten von v anstelle des initialen silbischen l (biv, delav, kopav; kabav). In den Dialekten von Veli und Mali Mune zeigt sich ein archaischer Akzent – der sogenannte čakavische Akut –, der auch auf der letzten Silbe realisiert wird (pũt, grĩh; G. Sg. ženẽ, sestrẽ; Präsens gorĩ, rečẽ).
 
 
Die Žejane Sprache
 
Die Žejane sprache (žejånska limba) ist nach dem Ort Žejane im Nordwesten der Gemeinde Matulji benannt. Sie wird noch von etwa dreißig Einwohnern mittleren und älteren Alters gesprochen. Die Sprache ist eine Variante des in der Fachliteratur als „Istrorumänisch" bekannten Idioms (ISO-Code RUO). Eine weitere Variante, das Vlaški, wird in Šušnjevica und Umgebung gesprochen.
Žejane-Sprache und Vlaški sind Teil des Verzeichnisses des immateriellen Kulturerbes Kroatiens. Mehr über diese stark gefährdeten Sprachen erfahren Sie unter: www.vlaski-zejanski.com.
 
 
Traditionelle Frauentrachten
 
Die traditionelle Frauentracht von Veli Mune, Mali Mune und Žejane ist die einzige Tracht in der Gemeinde Matulji, die bis heute kontinuierlich erhalten geblieben ist. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde sie als Alltagskleidung schrittweise aufgegeben. Dennoch trugen die meisten Frauen aus Mune und Žejane bis zum Zweiten Weltkrieg ihre Tracht zum Kirchgang, besonders an hohen religiösen Feiertagen.
 
 
Herkunft des Namens Matulji
 
Der Ort Matulji taucht Mitte des 17. Jahrhunderts erstmals in schriftlichen Quellen auf. Der Name leitet sich vom Familiennamen Matulja ab, der ursprünglich als Matuglia verzeichnet war. Die Mehrzahl der dort lebenden Familien gab dem Weiler unterhalb von Frlanija den Namen Matulje, der Anfang des 19. Jahrhunderts offiziell in seine heutige Form – Matulji – umgeschrieben wurde. Wie bei den Matuljas wurden auch viele andere Dörfer und Weiler der Region Kastavštine nach lokalen Familiennamen benannt (z. B. Brajan, Frlan, Pobar, Slavić).
 
 
Die Gemeinde Matulji
 
Die Gemeinde Matulji wurde am 10. April 1993 als eigenständige lokale Selbstverwaltungseinheit gegründet; zuvor gehörte das Gebiet zur Gemeinde Opatija. Das dreieckige Wappen ist in drei blaue Felder unterteilt, in denen jeweils eine goldene Glocke der Zvončari zu sehen ist. Dies symbolisiert die neun Glockenträger-Gruppen, für die Matulji weit über seine Grenzen hinaus bekannt ist.